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Organspende bedeutet: Leben weitergeben!

Organspende bedeutet: Leben weitergeben!

Claudia Kotter hat mit 26 Jahren eine neue Lunge bekommen. Hinter ihr lagen Jahre, in denen sie auf ein passendes Spenderorgan warten musste und dabei immer schwächer wurde. Die letzten Monate vor der Transplantation waren ein harter Kampf ums Überleben. Trotzdem fiel der Schritt, sich von der eigenen Lunge ein für alle mal zu trennen und sich eine fremde Lungen transplantieren zu lassen, nicht leicht.

Claudia Kotter lebt ein neues Leben

Claudia Kotter hat es gewagt und es hat geklappt. Sie hat die Operation überlebt und nun schon ein dreiviertel Jahr mit der neuen Lunge gemeistert. Nicht ohne Rückschläge, aber: "Die Lunge und ich sind nun Freunde und kämpfen gemeinsam!", kann sie heute stolz behaupten. Claudia Kotter kann ihr Leben mit der neuen Lunge heute in vollen Atemzügen genießen.

Drei Jahre zuvor hatten Ärzte der an Sklerodermie Erkrankten Claudia Kotter die schockierende Nachricht überbracht: Nur die Transplantation einer Spenderlunge könne ihr auf Dauer helfen.

Der Verein "Junge Helden" wird gegründet

Transplantation einer Lunge? Claudia Kotter und auch ihre Familie und Freunde waren das erste Mal mit dem Thema konfrontiert. Sie stellten fest, wie wenig sie darüber wussten. Nur wenige in ihrem Freundeskreis besaßen einen Organspendeausweis. Nicht, weil sie dagegen waren, sondern weil sie bisher kaum darüber nachgedacht hatten. So geht es den meisten Menschen: 82 Prozent der Deutschen stehen dem Thema Organspende positiv gegenüber, aber nur zwölf Prozent haben einen Organspendeausweis. Claudia Kotter wollte dieses Missverhältnis nicht tatenlos hinnehmen: "Ich hab gedacht, da muss doch jemand was unternehmen! Da geht es doch um Leben und Tod." Für die 27-Jährige Grund genug, mit ihrer Familie und ihren Freunden einen Verein zur Aufklärung über Organspende zu gründen: die "Jungen Helden".

Organspende geht jeden an

Der eingetragene Verein "Junge Helden" will dabei mithelfen, die Organspende stärker zu einem öffentlichen, gesellschaftlich akzeptierten Thema machen. Ziel ist es, Menschen mit der Organspende zu konfrontieren und anzuregen, den Gedanken über die eigene Spendebereitschaft ein Mal bis zu Ende zu denken und auf einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Die Mitglieder des Vereins sind der Überzeugung, dass jeder, der sich konsequent mit dem Thema Organspende aueinander gesetzt und eine Entscheidung für sich getroffen hat, ein Junger Held ist.

Dabei ist ein "Nein" zur Spende auch O.K. Auf dem Organspendeausweis gibt es auch dafür ein Antwortfeld. Die Hauptsache ist, dass die Entscheidung gefällt und schriftlich festgehalten wird. Der Organspendeausweis selber muss nirgendwo abgegeben oder registriert, sondern lediglich im Portemonnaie bei sich getragen werden. Er kann jeder Zeit auch wieder zerrissen oder verändert werden.

Entscheidung aus dem Leben heraus

Die Dokumentation des eigenen Willens in einem Spendeausweis erspart zudem den Angehörigen die Situation, nach dem Verlust eines geliebten Menschen von den Ärzten zu der Spendebereitschaft des Verstorbenen befragt zu werden. "Und oft wissen die Angehörigen ja gar nicht, ob er spenden wollte, und so gehen lebensrettende Organe täglich ungewollt verloren." Dies gibt Nico Höfer, Mitglied der Jungen Helden, zu bedenken. Jeden Tag sterben drei Patienten in Deutschland, weil sie vergebens auf ein Spenderorgan gewartet haben. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Vereins ist sich sicher: Dies könnte durch größere Aufmerksamkeit für das Thema Organspende und eine weitere Verbreitung der Ausweise verhindert werden.

Ängste können leicht abgebaut werden

Der Verein organisiert regelmäßig Veranstaltungen, wie Lesungen, Feiern und Konzerte, in deren Rahmen das Thema Organspende angeregt und diskutiert wird. "Wir richten uns damit speziell an junge Menschen in unserem Alter, denn denen begegnen wir auf Augenhöhe mit einem ähnlichen Lebensverständnis." Dies sagte Ina Brunk von den Jungen Helden. Die Ängste, die den Jungen Helden bei ihrer Aufklärungsarbeit zu Ohren kommen, wiederholen sich: "Werde ich dann früher von den Geräten abgestellt?", "Wird auch kein Missbrauch mit den Organen betrieben?", "Bin ich dann unwiderruflich in einer dubiosen Spenderkartei drin?" In individuellen Gesprächen oder von der Bühne aus können die Jungen Helden diese Ängste abbauen. Nico Höfer: "Wer Informationen darüber hat, wie die formalen Regelungen sind und die praktischen Abläufe einer Transplantation kennt, malt sich kein Horrorszenarium mehr aus."

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) einen telefonischen Informationsdienst zur Organspende und Transplantation eingerichtet. Das gebührenfreie Infotelefon bietet die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch von einem geschulten Team Informationen und Antworten auf Fragen zur Organspende zu bekommen. Das Infotelefon ist unter der Rufnummer 0 800/ 90 40 400 Montag bis Donnerstag von 09:00 bis 18:00 Uhr und Freitag von 09:00 bis 16:00 Uhr besetzt.

"Deutschland braucht mehr Organspender"

Am Ende eines Gesprächs steht meist die Frage: "Ja, aber woher bekomme ich denn so einen Ausweis?". Ina Brunk weiß: "In Apotheken, in Behörden und Sprechzimmer sollten sie ausliegen. Sonst kann man ihn sich auch jeder Zeit aus dem Internet ausdrucken. Letztendlich reicht aber auch eine formlose Notiz, die du mit deinem Namen unterschreibst". Unter dem Motto "Deutschland braucht mehr Organspender" hat die Bundesregierung im November letzten Jahres in einer groß angelegten Kampagne sechs Millionen Organspendeausweise als Beilage in Zeitungen und Zeitschriften unter die Leute gebracht. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat sich im Zuge dessen für eine Organspende-Rubrik auf der neuen elektronischen Gesundheitskarte ausgesprochen.

Promis, die ihr Herz verschenken

Dem Verein "Junge Helden" haben sich inzwischen auch viele Prominente angeschlossen. Sie wollen Stellung zu dem Thema beziehen. Der Fußballtrainer Jürgen Klopp, der Schauspieler Matthias Schweighöfer oder die Band "Silbermond" sind nur einige, die sich mit den Jungen Helden für Organspende einsetzen. Warum? Der Schauspieler Jürgen Vogel findet das offensichtlich: "Da muss einfach etwas passieren. Organspende ist immer noch so ein düsteres Thema in Deutschland, über das keiner laut sprechen mag. Dabei ist es doch cool, Leben weiter zu geben!"

Janna Trauernicht

 

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