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Keine Reue

Author: am 6.04.2014 um 9:42
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Im Deutschen Ärzteblatt ist ein Artikel erschienen,der die Situation der Angehörigen beleuchtet, nachdem sie die Organe eines Familienmitglieds zur Spende freigegeben haben. Die DSO-Region Mitte hat von 2000 bis 2012 Angehörige befragt zu ihrem Erleben der Akutsituation sowie der Zeit danach.

Ein Ergebnis dieser Umfrage ist, dass 90 Prozent der befragten 496 Angehörigen sich wieder für eine Organspende entscheiden würden, nur 1 Prozent würde einer Organspende widersprechen.

Die DSO-Koordniatoron der Region Mitte Anne-Bärbel Blaes-Eise führte im Deutschen Ärzteblatt zudem aus, dass nur 50 Prozent der Angehörigen die Frage nach einer Organspende erwartet hätten, 10 Prozent hätten sie gar als schockierend empfunden. Dies lag jedoch laut der Umfrage nicht etwa an Zeitnot oder von der klinik aufgebautem Druck: “91 Prozent der Familien fühlten sich bei ihrer Entscheidung vom medizinischen Personal nicht unter Druck gesetzt.”

Unbedingt nachgebessert werden muss jedoch in einem sehr wichtigen Punkt, wie Blaes-Eise darstellt: „Allerdings wurde nur der Hälfte der Angehörigen angeboten, sich vom Verstorbenen nach der Organentnahme zu verabschieden.“ Dies solle den Familienmitglieder aber gemäß des Transplantationsgesetzes angeboten werden. Zudem bemerkte sie: „Dabei stellt die Abschiednahme für die Trauernden eine doppelte Chance dar: Nach der gefühlsmäßig oftmals verwirrenden Erfahrung auf der Intensivstation, wo Kreislauf und Atmung des Verstorbenen apparativ aufrecht erhalten werden, bekommen Angehörige auf diesem Wege emotionale Gewissheit, dass der Tod eingetreten ist.“

Artikel von Eva Richter-Kuhlmann, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111,  Heft 14, 4. April 2014

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